Vgl. die Einbindung dieser Themen in eine allgemeine, umfassende Theorie und systematische Philosophie (der Wirklichkeit) Christlicher Glaube und christliche Ethik unter Einbeziehung postmoderner Relativität, Kapitel 2.4.4.2.1..

A. Israeli und queer -

doppeltes Diskriminierungspotential

siehe unten: B. Magnus Hirschfeld in Israel (1932) -
Magnus Hirschfelds Aufenthalt in Israel/Palästina, seine persönlichen Eindrücke und sein Einfluss auf die weitere sexualemanzipatorische Entwicklung in Israel

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung in das Thema
2. Geschichte der queeren Emanzipation in Israel
3. Aktuelle Lage in Israel
4. Einzelne Bereiche
     4.1. Tel Aviv
     4.2. Jerusalem
     4.3. Haifa
     4.4. Be'er Sheva
     4.5. Israelische Armee
     4.6. Konservative religiöse Gruppen
     4.7. Reformjudentum
     4.8. Sport
     4.9. Arabische Lebenswelt
5. Vergleich mit der Situation in anderen Ländern des Nahen Ostens
6. Zusammenfassung

1. Einführung in das Thema

Man mag sich bei dem Artikel zuerst ganz grundsätzlich fragen, warum dieses Thema aus einer anderen religiösen Welt von Interesse sein soll.

Zum einen enthält schon die Gründungsurkunde des Staates Israel aus dem Jahre 1948 durchaus queerfreundliche, die „Gleichberechtigung der Bürger betonende“ Aussagen unter Bezugnahme auf die Bibel, genauer gesagt auf das Christen und Juden heilige Alte Testament(1).

Zweitens ist der Staat Israel mit 76% jüdischer Bevölkerung naturgemäß stark jüdisch geprägt, und es gibt eben eine Analogie zwischen Juden und Queers darin, dass sie sich nämlich in einer Minderheitensituation befinden(2). So sollten Queers eine gewisse Nähe und ein Interesse zum Judentum und auch zum Staat Israel (3) empfinden.

Nach Klärung dieser Frage wundert sich vielleicht der eine oder andere Leser des Weiteren über die Überschrift und fragt sich: Wieso eine israelische Lesbe, ein schwuler Israeli oder gar Dana International(4) (als israelische Transsexuelle) doppelt diskriminiert oder gar gehasst werden könnten..

אברהם מטמון

Erstens bezieht sich die Diskriminierung auf deren queere sexuelle Orientierung, die immer noch bei einem nicht unerheblichen Teil der Weltbevölkerung auf Ablehnung stößt - und dies überdurchschnittlich oft in den meisten Lebenswelten des Nahen Ostens.

Innerhalb der homophoben Kreise sind die konservativ-orthodoxen Vertreter der drei abrahamitischen Religionen eine weitere, verschärfende Diskriminierungsquelle. In dieser homophoben Ablehnung sind sich die konservativen Vertreter dieser drei Religionen bei allem sonstigen Streit sehr einig. Da sie im modernen Israel vor allem in Jerusalem erhebliche (politisch-parlamentarische) Macht haben, hat deren Hass und Ablehnung dort erhebliche Auswirkungen(5).

Zweitens besteht eine vollkommen andere Diskriminierungsdimension darin, dass der Staat Israel und damit die Israelis aktuell - und nicht begründet - zu den unbeliebtesten Ländern(6) der Welt gehören(7).

2. Geschichte der queeren Emanzipation in Israel

Israel gehörte bis 1918 - wie der gesamte Nahe Osten - zum Osmanischen Reich. Dieses stelle seit 1852 Homosexualiät nicht mehr unter Strafe.

1923 wurde das Gebiet unter dem Namen "Palestine" Großbritannien als Mandatsmacht unterstellt. Aufgrund der britischen Gesetze wurde nun Homosexualität wieder strafbar. Allerdings war die gesellschaftliche Grundstimmung unter der jüdischen Bevölkerung, ganz besonders in den fortschrittlichen Kibbuzim, nicht nur gegen die Strafbarkeit gerichtet, sondern unterstützte die Anliegen der sexuellen Reform und Gleichberechtigung. So war eine hebräische Übersetzung des Buchs "Die sexuelle Frage" des Schweizer Arztes Auguste Forel verbreitet, in der dieser die Enttabuisierung aller Bereiche der Sexualität als Grundlage für Fortschritt und Glück der Menschheit ansieht. Außerdem kursierten in hebräischer Übersetzung Schriften des Berliner Sexualreformers Max Hodann, der seit 1926 an Magnus Hirschfelds Berliner Institut für Sexualwissenschaften arbeitete und Israel 1934 besuchte.(8) Am 20.Oktober 1930 schreibt der Journalist Moshe Ungerfeld in der Tageszeitung Ha-Aretz begeistert vom Wiener Kongress der Weltliga für Sexualreform und im besonderen über Hirschfelds Ansichten, unter anderem zur Entkriminaliserung von Homosexualität.(9)

Hirschfeld kam im Rahmen einer weltweiten Vortragsreise im Februar/März 1932 (ausführlich im Aufsatz B unten dargestellt) nach Israel und hielt 10 Vorträge in Jerusalem, Tel Aviv, Haifa und in Kibbuzim im Jisre'eltal im Norden.

Das Anliegen Hirschfelds, der weltweit für eine vollständige Gleichberechtigung sexueller Minderheiten kämpfte, wurde in Israel ab den 1920er-Jahren auch persönlich durch den Tel Aviver Arzt Chaim Berlin (חיים ברלין)(1890 - 1980, 1925 Auswanderung nach Israel) verbreitet(10), den Hirschfeld einen "der treuesten Schüler unseres Instituts für Sexualwissenschaften"(11) nennt. Berlin veranlasste werbende Informationsartikel in mehreren Zeitungen(12). Chaim Berlins Hochschätzung für Hirschfelds Sexualreform zeigt sich auch in seiner ausführlichen Würdigung Hirschfelds kurz nach seinem Tod in der damals wichtigen Zeitung Dawar, in der er Hirschfelds Einsatz für eine queere Sexualreform hervorhebt(13) und ihn deshalb in die Reihe der Menschen stellt, die "zugunsten der Menschlichkeit arbeiten", weil es sein Ziel war "den Menschen von körperlichen und seelischen Leiden und gesellschaftlichen Qualen zu befreien."(14) (Siehe auch unten Aufsatz B.)

1932 eröffnete Avraham Matmon (אברהם מטמון) (1900 - 1974, 1904 Einwanderung der Familie nach Israel), der als Praktikant an Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaften in Berlin gearbeitet hatte, in Tel Aviv ein gleichnamiges Institut (המכון להיגיינה ומדע המין), das beratend und reformerisch tätig war(15). Er gab auch die Zeitschrift HaBri‘ut (Die Gesundheit) heraus, die eine Rubrik für Sexualberatung enthielt. Ebenso verfasste er für die Bevölkerung einen hebräischen Ratgeber "Sexualleben des Menschen", der in 8 Auflagen erschien.

In den ersten Jahrzehnten des Staates Israel seit 1948 war gemäß den für Queers weiterhin gültigen britischen Gesetzen männliche Homosexualität strafbar. Der israelische Generalstaatsanwalt Haim Cohn gab aber 1953 Anweisungen, diese Paragraphen bei Erwachsenen nicht anzuwenden. In Israel ist seit der Staatsgründung nie jemand wegen einvernehmlichem queeren Sex veurteilt worden.(16) Ein älterer schwuler Israeli bestätigte dies. Das liegt vermutlich auch daran, dass Juden und Schwule in den Nazi-Konzentrationslagern gemeinsame Leid- und Verfolgungserfahrungen durchgemacht haben.

Trotzdem bestand in den 1950er und 1960er Jahren eine Diskriminierung ohne größere gesellschaftliche Debatte(17), weil man meinte, das Klischee des Schwulen entspräche nicht dem machohaften Idealbild des israelitischen Kämpfers in einer eng zusammengefügten Gesellschaft, die sich dem Vernichtungswillen aller arabischen Nachbarn entgegenstellte und die Existenz des Staates Israel sicherte. Mit dem Wissen um diese Situation wird die Metapher des verbreitetsten homophoben Schimpfwortes verständlicher: mitromem: מתרומם („der, der sich selbst erhöht“/„… sich absondert“) (Wortwurzel: ram: רם („hoch“, „erhaben“). Seine wörtliche Bedeutung („der, der sich (von der Gemeinschaft) absondert“) zeigt die negativen Sprach-Assoziationen: Queers grenzen sich – bewusst – von der Gemeinschaft ab, die doch so überlebenswichtig ist. Trotzdem war auch in homophoben Kreisen bin den 50erJahren der Aggressionslevel praktisch nie so hoch, dass körperliche Gewalt gegen queers angewandt wurde.

Wie in vielen anderen Ländern der Welt begann auch in Israel Ende der 60er Jahre eine emanzipatorische Zeitenwende.

1975 gründete sich die SPPR (Society for the Protection of Personal Rights), um für die Rechte von Schwulen und Lesben zu kämpfen. Die Gruppe wurde später in Agudah(18) (אגודה „Verband“) umbenannt, die bis heute für die GLBT-Community in Israel arbeitet.

1987 gründeten Frauen die CLAF (Community of Lesbians and Feminists).

Am 22.03.1988 werden dann die Gesetze vom Parlament endgültig abgeschafft, die Homosexualität bestrafen.

1992 wird ein Gesetz erlassen, dass die Diskriminierung am Arbeitsplatz unter anderem wegen der sexuellen Orientierung verbietet.

1993 entwickelt sich die Knesset-Abgeordnete (MK) Yael Dayan(19), Tochter des berühmten israelischen Generals Moshe Dayan, zu einer queerfreundlichen Aktivistin. Auf ihre Initiative hin wird ein Knesset-Ausschuss gebildet, der sich mit queeren Fragen beschäftigt.

1994 zwingt ein Gerichtsurteil die israelische Fluggesellschaft ElAl, dem schwulen Partner des Flugbegleiters Yonathan Danilovitch dieselben Rechte zuzugestehen wie einem heterosexuellen Partner.

1995 werden von der Knesset weitere Gesetze zur Gleichstellung schwul-lesbischer Paare beschlossen.

1996 bekommt Adir Steiner, der durch seinen Prozess berühmt gewordene Partner eines Offiziers der israelischen Armee, durch ein Gerichtsurteil eine Witwenrente und weitere Rechte eines „Hinterbliebenen eines Offiziers“.

1998 stellt die Knesset die Diffamierung oder Beleidigung aufgrund der sexuellen Orientierung unter Strafe.

1998 wird auch die erste offen lebende Lesbe ins Tel Aviver Stadtparlament gewählt.

Schon im Jahre 1999, als viele der heutigen sexualemanzipatorischen Fortschritte noch nicht erreicht waren, konnte festgestellt warden: "Israel's lesbian and gay community has achieved far-reaching political and legal victories under both Likud- and Labor-led governments."(20) Nachdem die Zahl der arabischen Länder, die die Vernichtung Israels anstreben, bis Ende der 90er Jahre gesunken war(21), verbesserten sich auch die gesellschaftlichen Paradigmen für die volle Akzeptanz von Queers: „Israeli society has undergone a change from a mobilized society to a normal society where there's room for the indiviual.“(22)

2000 erlässt die Knesset ein allgemeines Anti-Diskriminierungsgesetz.

2000 wird die freie Wahl des Sexualpartners auch für Homosexuelle (von 18) auf 16 Jahre heruntergesetzt - so, wie die Regel schon für Heterosexuelle bestand.

Ab 2000 bekommen ausländische queere Partner von Israelis - auch ohne juristische Verpartnerung - zunächst ein zeitlich befristetes Wohnrecht in Israel, das nach Jahren in den unbefristeten Status und schließlich in die israelische Staatsbürgerschaft umgewandelt werden kann

2001 werden als homosexuelle Paare alle die anerkannt, die in einer Gemeinschaft leben. Formale Eintragungen oder Verpartnerungen sind nicht erforderlich.

Ab 2002 kann man in Tel Aviv seine homosexuelle Partnerschaft eintragen lassen und bekommt zusätzliche kommunale Vergünstigungen.

2002 wird Professor Uzi Even(23) für die sozialistische Meretzpartei als erster offen queerer Abgeordneter in die Knesseth gewählt.

2002 findet der 17.Weltkongress der queeren Juden im Kibbuz Givat Haviva statt.

2005 werden Stiefkindadoptionen der Kinder des/der queeren Lebenspartners/in gerichtlich anerkannt.

Ab 2006 werden gleichgeschlechtliche Partnerschaften, die im Ausland geschlossen wurden, in Israel als Ehen anerkannt. In Israel gibt es keine Zivilehe, sondern Ehen können nur religiös geschlossen werden. (Nichtreligiöse Hetero-Paare fuhren deshalb schon seit Jahrzehnten zur Eheschließung nach Zypern.)

2006 wird in Jerusalem der 2.Worldpride(24) überhaupt gefeiert, nachdem der allererste 2000 in Rom gefeiert wurde.

2008 bekommen Schwule und Lesben das volle Adoptionsrecht – wie Heterosexuelle.

Im August 2014 gab die israelische Regierung bekannt, dass "dass Juden künftig mit ihrem gleichgeschlechtlichen nicht-jüdischen Partner nach Israel einwandern dürfen und beide ein Anrecht auf die israelische Staatsbürgerschaft erhalten."(25)

Nachdem die Parteien der Linken und der Mitte (z.B. "Jesh Atid") die queere Emanzipation schon länger in ihren Parteiprogrammen haben, wurde im Dezember 2015 mit Amir Ohana das erste Mal ein offen schwules Mitglied der rechten Likud-Partei Parlamentsabgeordneter. Ohana ist gleichzeitig Vorsitzender der Vereinigung der queeren Likudniks.(26) Ohana hat seitdem eine steile Karriere hingelegt: Im Juni 2019 wurde er Justizminister und im Mai 2020 Minister für Innere Sicherheit. Zusammen mit seinem Ehemann zieht er 2 Kinder groß.(27)

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3. Aktuelle Lage in Israel

Gegenwärtig bekommen homosexuelle Paare dieselbe Witwenrente und haben dieselbe Erbschaftsrechte wie heterosexuelle Paare.

„Jedes Gewaltverbrechen, das durch die sexuelle Orientierung des Opfers motiviert ist, gilt nach israelischem Recht als Hassverbrechen, was eine Verdoppelung der ursprünglich für dieses Verbrechen fälligen Strafe nach sich zieht.“(28)

Es gibt die Transsexuellen-Gruppe „Shabbat Malcha“ („Königin Schabbat“). Jährlich findet das Drag-Festival „Wigstock“ (auf Facebook, Wigstock 2011) der Gruppe "Pe'ot Qedoshot" (Holy Wigs) (auf Facebook) statt. Im Mai 2016 fand der erste Transsexuellen-Wettbewerb in Israel statt, die "Miss Trans Israel" im traditionsreichen Habima-Theater Tel Avis zu Beginn der Pride-Week. "Israela Stephanie Lev .., die 55-jährige Organisatorin der 'Miss Trans Israel'-Wahl, die zu den Veteraninnen der Transgender-Community in Tel Aviv zählt ... 'Transgender sind heute in Israel Richterinnen, Ärztinnen, Journalistinnen, sie sind überall', sagt sie."(29)

So gehörte Israel mit Deutschland im November 2010 zu der Minderheit der Staaten, die in der UN-Vollversammlung für die Ächtung der Todesstrafe auch aus Gründen der sexuellen Orientierung stimmten. Im März 2011 unterzeichnete Israel mit Deutschland und 85 anderen Staaten eine UN-Erklärung, die Gewalt gegen Menschen abweichender sexueller Orientierung ablehnt.

Der 2015 veröffentlichte Gay-Happiness-Index(30) sah Israel weltweit auf Platz 7 - hinter Island, Norwegen, Dänemark, Schweden, Uruguay und Kanada. Die Schweiz liegt auf Platz 9, Deutschland auf Platz 14, Österreich auf 19.

Es gab in Israel eine bedeutende queere Zeitung: Die in Tel Aviv erscheinende „HaIr beVarod“ ( העיר בורוד - „Die Stadt in Rosa“). Ihre Geschichte beginnt 1996 mit dem Namen „HaSeman HaVarod „ („Die rosa Zeit“). Ab 1999 wurde sie von der Agudah(31) übernommen. Der Wechsel zum letzten Namen wurde 2008 vollzogen. Herausgeber des Monats-Blattes im DIN A 2-Format ist die Verlagsgruppe, zu der auch die linksliberale Tageszeitung HaAretz gehört. „HaIr beVarod“ fand sich ab und zu als Beilage in HaAretz. Im Oktober 2010 wurde sie eingestellt, wohl auch weil in Israel elektronische Medien überdurchschnittlich verbreitet sind.

Über die aktuelle Situation von Queers in Israel kann man sich auch über folgende Homepages informieren:
www.gayisrael.org.il
glbt-news.israel-live.de
http://www.aviva-berlin.de
Lizzy, the Lezzy, witziger Video-Clip

4. Einzelne Bereiche in der israelischen Gesellschaft

4.1. Tel Aviv

Der 2.Juli 1993 ist das Datum der ersten queeren öffentlichen Veranstaltung in Israel, nämlich einer Feier mit 500 Teilnehmern in der alternativen Sheinkinstraße.

In Tel Aviv(32) wird meist am zweiten Wochenende im Juni der Gay Pride(33) (CSD) gefeiert. Die erste Feier, gleichzeitig die erste in ganz Israel, fand 1998 statt. 2011 feierten ihn 100 000 Teilnehmern.

Seit 2006 wird Ende Juni das "GLBT Tel Aviv Film Festival"(34) veranstaltet.

2008 wurde im Gan (Park) Meir das "GLBT Communication Center"(35) (auch Bayit Lavan (Weißes Haus) genannt) eröffnet, das vom Stadtrat finanziert wird.

Im Park Me'ir wird vor dem Weißen Haus am 10.Dezember 2013 das erste Denkmal Israels und des Nahen Ostens für queere Holocaust-Opfer eingeweiht. Entsprechend der Kennzeichnung der schwulen KZ-Häftlinge im Machtbereich von Nazi-Deutschland wurden 3 Dreiecke errichtet, davon zwei in Rosa wie in den KZs.
Auf einem Dreieck findet man die Namen verfolgter deutscher schwuler Juden, z.B. von Magnus Hirschfeld (Siehe oben den Anfang von Kapitel 2.) und Gad Beck; außerdem werden medizinische Experimente an Homosexuellen erwähnt und die Verfolgung von Lesben.

Das zentrale Dreieck besteht aus 3 rosafarbenen Bänken. Auf einer Seite des Dreiecks steht - auch auf Deutsch - der Leitsatz: "Den Opfern des Nationalsozialismus, die wegen ihrer sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität verfolgt wurden".(36)

Dass auch das tolerante Tel Aviv, das "als Schwulenhauptstadt des Nahen Ostens gilt"(37) , kein Schwulenparadies ist, zeigte sich am Mordanschlag auf einen Schwulentreff der Agudah(38) im Jahr 2009, vergleichbar der homophoben Gewalt in den toleranten Städten Berlin oder San Francisco.

Motto des Pride 2010 war der biblische Satz: ואהבת לרעך כמוך "Und Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst." (3.Mose/Leviticus 19,18) Sehr verbreitet war auch das Menschenrechts-Motto, das mit der Gottebenbildlichkeit des Menschen begründet werden kann: כי אני שוה "Denn ich bin gleich."

An der Pride Parade im Jahr 2016, bei der die Teilnehmerzahl stark gewachsen war, nahm auch der Münchner Kommunalpolitiker Marcel Rohrlack teil: "An jedem Laternenmast, in jedem Schaufenster, in der ganzen Stadt: Regenbogenfahnen! Marcel Rohrlack war gerade in Tel Aviv. In der liberalen israelischen Großstadt hat er die große Parade der Schwulen und Lesben gefeiert - mit 200 000 anderen Demonstranten. Zurück in München kommt er aus dem Schwärmen nicht heraus. 'Wir in München', sagt Rohrlack ..., 'diskutieren über ein paar schwule Ampelmännchen.' Von Tel Aviv könne man noch viel lernen."(39)

Im Jahr 2018 ergab eine Umfrage von GeoSure, dass die Innenstadt von Tel Aviv, speziell das Stadtviertel Florentin, das fünftsicherste queere Stadtviertel weltweit ist.(40)

4.2. Jerusalem

2002 fand in Jerusalem der erste - kleine - Pride statt.

Allerdings hat es regelmäßig Widerstand konservativer Religionsvertreter gegen die Durchführung des Pride in Jerusalem gegeben.

Im August 2006 (ursprünglich für 2005 geplant) wurde in Jerusalem der zweite World Pride überhaupt gefeiert. Gegen diese Veranstaltung gab es massiven Widerstand der sonst zerstrittenen Konservativen der drei abrahamitischen Religionen(41).

In den letzten Jahren hat sich auch in Jerusalem der antiqueere, konservativ-religiöse Widerstand etwas abgeschwächt. 2010 und 2011 konnte der relativ kleine Pride ungestört gefeiert werden, allerdings mit nur 4000 Teilnehmern, was weniger als 5% der Größe des Tel Avvier Pride ist.

Es gibt in der 1.Etage eines Hauses ein kleines queeres LGBT-Zentrum(42) , das 1997 gegründet wurde und auch Bayit Patuach ("Offenes Haus") genannt wird.

4.3. Haifa

Das queere Leben in Haifa wurde außerhalb der Stadt lange Zeit weniger in den Blick genommen. Dabei ist es schon deshalb interessant, weil hier wegen der gemischten Einwohnerschaft jüdische und arabische Queers eine Szene bilden.
2007 wurde in Haifa die 1.Pride-Parade gefreiert. Seit 2017 hat die queere jüdisch-arabische Community ein eigenes städtisches Zentrum: The Communities' House for Pride and Tolerance (6 Masada St)

Einen besonderen Höhepunkt und eine Zwischenbilanz bildet die Ausstellung "‘What Will The Neighbours Say?‘ Queer Life in Haifa 1932 – 2007“(43) vom 27.2.2021 bis 31.3.2022 im Haifa City Museum(44) (Sderot Ben Gurion 11).
Diese Ausstellung zeigt die Entwicklung der schwul-lesbischen-trans Community in Haifa.
Die zeitliche Eingrenzung des Themas dieser Ausstellung:
-1932 ist das Jahr des Aufenthalts von Magnus Hirschfeld in Haifa, des berühmten (jüdischen) Sexualreformers und queeren Aktivisten mit seinem Institut für Sexualwissenschaften in Berlin. Hirschfelds Anwesenheit in der Stadt und Wirken durch seine sexualemanzipatorischen Vorträge - im Rahmen seiner Welt-Vortragsresie 1931/32 - wird sozusagen als queere Zeitenwende angesehen, als Beginn der queeren Geschichte Haifas.
-2007 kennzeichnet mit der 1.Pride-Parade in Haifa die Erreichung eines wichtigen Ziels.

4.4. Beer Sheva

1999 wurde das queere Zentrum Be'er Shevas in einem Privathaus gegründet. 2010 wurde der 1.Pride Event in Be'er Sheva gefeiert. Seit 2014 nennt sich die Organisation "Pride House of Be'er Sheva". 2017 bekam sie ein städtisches Gebäude als queeres Zentrum (36 Smilanski St).

Hier gibt es Grundinfos zu den 4 größten queeren Community-Centers in Israel: https://lgbtolim.org/lgbt-centers-2/

4.5. Israelische Armee

Grundsätzlich stellt die Armee in Israel (Zahal oder engl. IDF(45)) für die Bevölkerung eine bedeutendere Lebenswelt dar als in vielen anderen Staaten, weil junge Männer 3 Jahre und junge Frauen 2 Jahre Wehrdienst leisten, gefolgt von vielen Jahren regelmäßiger Reserveübungen.

Queere Soldaten waren nie offiziell von der Armee ausgeschlossen.

Ein Erlass aus dem Jahre 1986 stellte zunächst einmal fest, Homosexualität „does not constitute a mental illness or deviance“(46) Allerdings sah man grundsätzlich „a security risk“(47) und deshalb Einsatzbeschränkungen, die aber individuell abhängig gemacht wurden von der „ability to withstand 'pressures'“(48)(womit vor allem geheimdienstliche Erpressungsversuche gemeint sind).

1993 befasst sich der von Ya'el Dayan initiierte Parlamentsausschuss zu queeren Fragen(49) auch mit der Situation beim Militär. Professor (der Chemie) Uzi Even(50) , Major der Reserve, outet sich und beginnt für die Gleichstellung queerer Soldaten in der israelischen Armee zu arbeiten. Unter starker Einflussnahme von Ministerpräsident Yitzchaq Rabin(51) wurde ein toleranterer Erlass herausgegeben, wonach es nun grundsätzlich – wenn keine offensichtlichen Gründe dagegen sprechen – keinerlei Einsatzbeschränkungen für Queers in der Armee gibt: „homosexuals are entitled to serve in the military as are others“(52). Die Armeezeitung BaMachane („In der Kaserne“) schrieb stolz die Schlagzeile: „Discrimination Has Ended.“(53) Und die bis Ende 2010 in den USA herrschende Rechtslage (z.B. „Don't ask, don't tell“ für Queers) wird in derselben Weise kritisch kommentiert: „American military rules dictate to soldiers how to conduct their sex lives. ... And that ... is serious discrimination.“(54)

Wegen des zentralen Interesses der IDF für die israelische Gesellschaft ist auch die Situation von Queers recht gut untersucht worden.

Befragt man schwule israelische Soldaten nach ihrer Motivation für den Dienst in einer Kampf-Einheit, so ensprechen viele Gründe den Aussagen ihrer Hetero-Kameraden, allen voran die Verteidigung der puren, von den Gegnern bestrittenen Existenz des Staates Israel. Ein Unterschied besteht aber darin, dass ihre Homosexualität offensichtlich die Umfragewerte einer vierten Motivation gegenüber Hetero-Soldaten stark ansteigen lässt, nämlich "inspiring their homosocial motivation."(55) Es handelt sich hier um eine "combat motivation"(56). "It is especially prominent in the IDF, where mutual responsibility and support underlie the army's tactical doctrine."(57) Es dürfte offensichtlich sein, dass Schwule überdurchschnittliche Vertrautheit, Erfahrungen und Wünsche im Blick auf das soziale Verhalten in einer gleichgeschlechtlichen Gruppe haben. Wenn dies auch noch aus anderen Gründen gewünscht ist – wie hier aufgrund des militärisch-taktischen Nutzens, dann handelt es sich um eine für Schwule interessante Lebenswelt.

Untersuchungen aus der Zeit des Jahres 2000 zeigen aber, dass Queers es damals vermieden, sich in der Armee allgemein zu outen(58). Wenn die Kameraden doch ihr Queersein vermuten, wird es indirekt durch Benennungen markiert wie z.B.: ""virgin", "nerd", "poet" or "professor""(59).

Menashe schreibt von seiner ersten sexuellen Erfahrung während des Wochenend-Dienstes in der Marine-Kaserne: "We were on Shabbat duty, I was the NCO(60) in charge. ... We were lying on the same bed watching TV and all of a sudden it went off. … it gradually came to a blow job. And this went on beautifully for some months until discharge."(61) (d.h. bis zur Entlassung aus der Armee)

Die durchschnittliche Bilanz einer Untersuchung über Queers in der israelischen Armee am Ende ihrer Zeit: "most of them emerged after three years of service with a much stronger sense of their homosexuality."(62)

Im Jahr 2013 wurden die ersten offenen Transmenschen zum israelischen Militär eingezogen:
- eine Transfrau, die während der Einberufung ihre Geschlechtsanpassung durchlief(63);
- und der Transmann Sachar Erez aus einem Kibbuz im Norden Israels, der "entschied während des Offizierskurses, sein Geschlecht z u offenbaren."(64) Er sagt über seine Erfahrungen in der Armee: "All of them treated me with respect and judged me for my professional performance. I have never felt different in the IDF"(65)

Seit 2015 werden queere Paare mit Kind wie Hetero-Paare behandelt: Sie werden nicht gleichzeitig zum - in Israel jährlichen und regelmäßigen - Reservedienst eingezogen. So kann eine/r das Kind versorgen.(66)

Im Juli 2018 wurde mit Sharon Afeq der erste offen schwule Soldat zum General ernannt.(67)

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4.6. Konservative religiöse Gruppen

In Puncto antiqueerer Homophobie sind sich konservative Moslems, Juden und Christen in Israel, vor allem in ihrer Hochburg Jerusalem einig, obwohl sie in vielen anderen Punkten erhebliche Meinungsverschiedenheiten haben.

Gegen den urprünglich für 2005 in Jerusalem geplanten 2.World Pride(68) hielten diese Vertreter am 30.3.2005 eine Pressekonferenz ab. Dabei wurde auch eine Erklärung unterschrieben. Zugegen waren von muslimischer Seite der Prediger Scheich Abdel Aziz Bukhari und Scheich Abed es-Salem Menasra, vertreter des Mufti von Jerusalem; von jüdischer Seite Shlomo Amar, sephardischer Großrabbiner, und Yona Metzger, aschkenasischer Großrabbiner; von christlicher Seite Michel Sabbah, (katholischer) lateinischer Patriarch, Torkom Manoogian, armenischer Patriarch; Pietro Sambi, apostolischer Nuntius des Vatikan. Der evangelikale Pastor Leo Giovinetti aus San Diego war einer der Initiatoren des Widerstandes.(69)

Das klassisch homophobe Wort für Homosexualität ist מעשה סדום: „Tat Sodoms“. Es steht in der langen Tradition der Fehlinterpretation der Sodomgeschichte als einer antiqueeren Geschichte.(70) Stattdessen handelt es sich um eine Geschichte gegen sexuelle Gewalt.

Wie schwierig die Lebenssituation für Queers in den ultra-orthodoxen Gemeinschaften ist, schildert Haim Tabakmans Spielfilm „Du sollst nicht lieben“(71) aus dem Jahr 2010. Hier wird die Geschichte einer schwulen Liebe in einem ultraorthodoxen Viertel Jerusalems geschildert. Wie in der Realität sind die Widerstände der anderen erheblich. Man versucht, das schwule Paar zu vertreiben. So „erzählt der Film nicht den Konflikt zweier gläubiger Schwuler mit ihrer Religion, sondern ... mit ihrer religiösen Gemeinde, einem starren sozialen Regelwerk. Aaron und Ezri nehmen Gott ernst.“(72)

Trotzdem gibt es auch mutige Pioniere, die selbst im konservativen Umfeld für Veränderung arbeiten, z.B. der orthodoxe Rabbiner Ron Joseph aus Jerusalem. Er outete sich im israelischen Fernsehen: „Nicht für mich, sondern für all die religiösen Männer, die dasselbe Schicksal haben wie ich“(73) , habe er diesen Schritt getan. Die Folgen waren sehr gemischt: Einige akzeptierten seine Orientierung nach anfänglichem Zögern, aber die Ablehnung der anderen umschreibt Joseph etwas euphemistisch als „Prozess, der nach wie vor andauert.“(74) Interessanterweise bleibt er bei aller mutigen Authentizität doch auch fest mit seinem orthodoxen Erbe und dessen strenger Schriftauslegung verwurzelt. Er lebt sein Schwulsein ohne Analsex: „Das bedeutet dann …, dass strenggläubige homosexuelle Juden in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung auf Analsex verzichten müssen … die Halacha verbietet es, also halte ich mich daran.“(75)

2005 wird "Bat Kol"(76) ("weibliche Stimme", wörtlich: "Tochter einer Stimme") als Organisation von Lesben in religiösem Umfeld in Israel gegründet.

2007 gründet sich "Havruta"(77) (talmudisches Aramäisch: "Freundschaftsbund") als Organisation von LGBT-Queers in religiösem Umfeld in in Israel.

2008 wird “Hod” (Abkürzung für “Homosexuelle Religiöse“ (Datim)) gegründet, eine Gruppe(78) für orthodoxe Juden, die einerseits ihr Queersein akzeptieren und begrenzt leben, andererseits aber unter wörtlicher Beachtung des jüdischen Gesetzes (Torah) sich erhebliche sexuelle Grenzen setzen, z.B. Analverkehr (wegen Levitikus 18,22 und 20,13) ablehnen und auch wegen Fehlens dieser Richtlinien von der Teilnahme an Pride-Veranstaltungen abraten.

Auf dem Pride-Festival (vor der Pride Parade) im Gan Me’ir in Tel Aviv im Juni 2010 hatten jedoch auch orthodoxe, offen schwule Juden einen Stand.

Seit 2011 agiert die orthodoxe Transfrau Yiscah Sara Smith offen in Jerusalem und unterrichtet an einer konservativen Jeshiwa (Bibelschule). "Gott, sagt Smith, ließ ihn spüren, dass eine Geschlechtsumwandlung der richtige Weg war."(79) Sie schrieb ein Buch über ihren langen Weg zwischen Religion und Selbstannahme als Transsexuelle.(80)

Ein queerer orthodoxer Jude tritt seit einigen Jahren als Drag Queen in Jerusalemer Bars auf.(81)

4.7. Reformjudentum

Als erstes hatte das Reformjudentum (auch Progressives Judentum genannt) unter den jüdischen religiösen Gruppen(82) zu einer wirklichen Akzeptanz von Queers gefunden:
Ein auch hier längerer Weg begann in den 1960er-Jahren in den USA mit ersten positiven Stellungnahmen zur Homosexualität – parallel zu den Anfängen bei Kirchen (vor allem MCC).

Mitte der 1980er-Jahre können dann Gemeindeglieder offen queer sein.

Seit 1990 gibt es offen queere Rabbiner.

2004 befindet sich die erste offene Transsexuelle in der Rabbinerausbildung.

Heute gibt es auch Trau-Zeremonien für queere Paare.(83)

In Jerusalem in der Nähe des King David Hotels vor dem Jaffator der Altstadt befindet sich ein weltweit wichtiges Zentrum dieser Strömung, das 1963 errichtet wurde. Das Zentrum hat 2 Teile:
- Es gibt den akademischen Teil, das HUC-JIR (Hebrew Union College-Jewish Institute of Religion's(84), in dessen Hof die Eröffnungsveranstaltung des 2.World Pride (S.o. Kap. 2. und 4.2..) im Jahr 2006 stattfand.
- Direkt daneben befindet sich Merkaz Shimshon-Beit Shmuel(85), das religiöse und kulturelle Zentrum mit einer Synagoge, einem Gästehaus und einem Kultur- und Versammlungszentrum. Hier fanden die religiösen Veranstaltungen des World Pride und der interkonfessionell gehaltene Shabbat Evening Service zum Abschluss statt.

2012 traf die religiöse Mittegruppe (sog. Konservatives Judentum, siehe Anm.79) nach heftiger, langjähriger Diskussion die fast einstimmige Entscheidung, queere Rabbiner/innen zu ordinieren(86) und auch Gottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare zuzulassen(87).

4.8. Sport

2012 wurde der erste queere Sportverein des Nahen Ostens überhaupt gegründet: "Rainbow Tel Aviv"(88). Es handelt sich um einen schwulen Fußballklub, in dem arabische und jüdische Sportler gemeinsam trainieren und spielen.

Vom 15. bis 19.Oktober 2015 ist das erste internationale queere Sportfestival des Nahen Ostens geplant: Tel-Aviv Water Games (TWG 2015)(89)

4.9. Arabische Lebenswelt

Spiegelbildlich(90) zu den oft unbegründeten, pauschalen Vorurteilen gegenüber (dem jüdischen) Israel(91) gibt es in der (jüdischen) israelischen Gesellschaft oder zumindest Ängste gegenüber den (mehrheitlich muslimischen) Arabern, vor allem aus den Palästinensergebieten der Westbank und des Gazastreifens.

Queere Araber sind in ihren Gemeinschaften meist einer hohen Diskriminierung ausgesetzt. Öffentliche Repräsentanten der palästinensischen Bevölkerung sprechen ganz offen ihre drastische Homophobie aus: 1997 antwortet Tawfiq Khatib, der demokratisch gewählte, arabische Abgeordnete des israelischen Parlaments Knesset, Mitglied der national-islamischen Partei "Demokratische Arabische Partei - Vereinigte Arabische Liste", als ihm vom Leiden der durch die arabische Gesellschaft in Israel ausgegrenzten Araber berichtet wird: "I am glad they realize that (Arab) society rejects them as deviants. They should feel like strangers in our society."(92) Und im Blick auf die von der Mehrheit der Abgeordneten 1992 und 1997 beschlossenen anti-homphoben Anti-Diskriminierungsgesetze sagt er: "The Knesset makes mistakes. It should try to correct this mistake as soon as possible. If (MKs) can't see the catastrophe they're bringing because of this, they shouldn't be in the Knesset."(93) (94) Und der israelisch-arabisch Anwalt Hassan Jabarin bestätigt dies: "An Arab homosexual is compelled to hide his sexual orientation and identity within Arab society. "He can't find his place in his society, … have no access. No newspapers. No place to their own."(95) Das bleibt als Problem auch für die israelischen Araber, obwohl sie als queere Araber genau wie Juden für Ihr Queersein nicht verfolgt und strafrechtlich gegen Diskriminierung geschützt sind. Das bedeutet auch, dass – ähnlich wie bei queeren orthodoxen Juden - die homophobe Ausgrenzung nur informell durch das Lebensumfeld stattfinden kann, während sie durch die offiziellen Gesetze des Staates geschützt sind, bzw. queere Entfaltungsmöglichkeiten haben (s.o.).

Davon zu unterscheiden ist die Lage der Araber in den palästinensischen Autonomiegebieten, in denen trotz der israelischen Besatzung die Palästinenser ihre inneren Angelegenheiten selbst regeln können. Hier entfällt auch der staatliche Schutz; im Gazastreifen sind Schwule und Lesben nach Scharia-Recht sogar von staatlicher Todesstrafe bedroht. So versuchen queere Araber aus den Autonomiegebieten in die ganz andere Lebenswelt Israels zu fliehen, wie Christian Schmitz in dem Artikel "Allahs verlorene Söhne"(96) aus dem Jahr 2006 beschreibt: "In der Heimat mit dem Tod bedroht, im Feindesland als Illegale verfolgt: Auf Israels Straßen leben 500 schwule Palästinenser." Sie brauchen für den Aufenthalt in Israel eine Sondergenehmigung - anders als die israelischen Araber, z.B. aus Nazareth. Schmitz trifft sich mit Mustafa aus Jenin: "Einer seiner Brüder hat gedroht, ihn umzubringen. Und seine Mutter legt den Hörer auf, wenn er anruft. Für seine Familie existiert er nicht mehr". "Er habe Glück, überhaupt noch am Leben zu sein, sagt Mustafa." "Verglichen mit den Palästinensergebieten leben Schwule und Lesben hier im Paradies.", weshalb sie die Probleme eines illegalen Aufenthaltes in Kauf nähmen.

Die tragische Liebesgeschichte eines jüdischen Israeli und eines Arabers aus den Palästinensergebieten erzählt Film "The Bubble"(97).

Eine Minderheit der arabischen Bevölkerung lehnt aber homophobe Diskriminierung ab: So sprach der ebenfalls arabische Abgeordnete Azmi Bishara aus Nazareth, Mitglied der arabisch-jüdischen Mischpartei Chadasch-Balad, linkssozialistisch-kommunistisch geprägt, in einer Knesset-Rede: "We want to build an Arab society in which there is respect for … sexual orientation, etc., for the freedom of women"(98).

Den ersten Transsexuellen-Wettbewerb Israels, den "Miss Trans Israel", gewann im Mai 2016 die israelische Araberin und Katholikin Ta'alin Abu Hanna aus Nazareth. Sie kommentierte ihren Erfolg: "'Wäre ich anderswo, etwa in Palästina oder einem anderen arabischen Land, würde ich womöglich ausgegrenzt werden, im Gefängnis sitzen oder ermordet worden sein.'"(99) "Sie selbst sei glücklich und stolz, in Israel zu leben."(100) Es sagt eine weitere Teilnehmerin des Wettbewerbs, "Carolin Khoury ... aus Haifa, aus einem arabischen Elternhaus, muslimisch und traditionell: 'Meine Familie hasst mich' ... 'Ich will eine Botschaft an die arabischen Gesellschaften schicken. Jeder Mensch ist anders, wir haben viele Farben und müssen jeden akzeptieren, so wie er ist.' An einer Halskette trägt Carolin Khoury, die als arabischer Junge geboren wurde, heute einen Davidstern. Es ist, so erklärt sie, ihr Dank an Israel für die Toleranz, die sie erfährt."(101)

Und es gibt auch solche positiven Beispiele, bei denen queere Liebe sich durchsetzt und sogar politische Konflikte auflöst: So bilden sich immer wieder queere jüdisch-arabische Paare. Besonders prominent wurde 1995 ein solches schwules Paar, weil der arabische Partner aus dem Gazastreifen kein Aufenthaltsrecht in Israel hatte. Dann beschloss Ministerpräsident Rabin(102), „to approve permanent resident status in Israel for the Gazan ..., so that he could continue to live with his Jewish Israeli partner.“(103) - Eine grenzüberschreitende Anordnung, die auch zum Stil der sonstigen Friedenspolitik Rabins passte.
2008 gewährt die israelische Militärverwaltung einem schwulen Palästinenser aus dem autonomen Jenin die Genehmigung, sich in Israel aufzuhalten und mit seinem israelisch-jüdischen Partner in Tel Aviv zu leben - was die Behörde ausdrücklich als Ausnahme bezeichnet.
2010 gewährt der oberste israelische Gerichtshof einem schwulen Palästinenser aus Nablus ohne festen Partner – auch ausnahmsweise - das Aufenthaltsberechtigung in Israel, weil er darlegte, dass ihm im palästinensischen Autonomiegebiet wegen seiner Homosexualität die Todesstrafe drohe.(104)

2001 gründet sich die queere palästinensische Gruppe Al-Qaws (Der Regenbogen), die in Jerusalem als gemeinnütziger Verein eingetragen ist und mit dem Open House in Jerusalem (S.o. Kap. 4.2..) zusammenarbeitet.(105) Diese arabischen Queers beschreiben ihre Ziele: "Our vision is to contribute to the building of a vibrant and just Palestinian society that celebrates diverse sexualities, sexual orientations, and genders."(106) und: „To encourage tolerance and change the wider Palestinian community's attitude toward homosexuality.“(107) Sie arbeiten sowohl in den arabischen Gemeinden Israels als auch in den palästinensischen Autonomiegebieten.

Im neuen Jahrtausend geschieht sogar Folgendes in der israelischen Armee, dem Schmelztiegel des Staates: "Nasrin war nicht nur eine ehrgeizige Offizierin im Rang eines Leutnants, sondern sie war tatsächlich eine Muslimin, eine Araberin und zudem lesbisch. Sie ging sehr offen mit allen ihren Identitäten um und machte absolut kein Geheimnis daraus. Im Gegenteil, sie war stolz darauf, beim IDF dienen zu dürfen".(108) "In dieser Atmosphäre wuchs Nasrin auf: in ... dem Wissen, dass nur ca. 20 Minuten von ihrem Elternhaus entfernt, in dem sie sich aus religiös-traditionellen Gründen nicht hätte outen können, sie problemlos Kontakt zu Menschen knüpfen konnte, die wie sie waren und sie mit ihren sexuellen Präferenzen akzeptierten und aufnahmen."(109)

Im Juli 2020 spendete die arabische Lebensmittel-Fabrikantin Julia Zaher aus Nazareth an die queere Organisation Agudah (S.o. Kap. 2.) einen größeren Betrag für eine neue Notfall-Hotline für queere Araber. Sie setzte damit als erste dieses mutige Zeichen innerhalb der arabischen Gesellschaft. Daraufhin kündigten arabische Ladenbesitzer aus homophobem Protest die Geschäftsbeziehungen.(110) Israelische Diplomaten aus aller Welt bestellten im Gegenzug zur Unterstützung der queerfreundlichen Aktion besonders große Menge der von ihr produzierten Techina (Sesamsauße).(111)

Queere Palästinenser haben es vielleicht am allerschwersten: In ihrer Lebenswelt werden Queers noch stärker abgelehnt (Hass-Morde unter den Verwandten sind nicht selten; unter den muslimischen Vertretern sind die Fundamentalisten besonders stark (Hamas im Gazastreifen)), und die eigentlich freiheitliche israelische Gesellschaft, die ihnen zur Rettungsinsel werden könnte, bringt ihnen Misstrauen entgegen - wegen des latenten, teilweise unbegründeten - Verdachts des Terrorismus.(112)

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5. Vergleich mit der Situation in anderen Ländern des Nahen Ostens

Wenn Israel im Vergleich zu den Palästinensergebieten, wo zumindest im Westjordanland Homosexualität nicht offiziell strafbar ist, "ein Paradies"(113) ist, dann ist es ein mehrfaches Paradies im Vergleich zu anderen Staaten des Nahen Ostens, z.B. dem Iran.

Im Iran befassen sich die Artikel 63 bis 164 des Strafgesetzes(114) mit dem Verbrechen der Zina; das sind Vergehen unerlaubten Geschlechtsverkehrs.

Das 2.Kapitel befasst sich mit schwulem Geschlechtsverkehr:
Analverkehr:
„Art. 108 - Homosexueller Verkehr ist der geschlechtliche Verkehr eines Mannes mit einem Mann durch Eindringen des Gliedes oder beischlafähnliche Handlungen. …
Art. 110 - Die hadd-Strafe für Homosexualität in der Form des Verkehrs ist die Todesstrafe.“(115)
Schwuler Sex ohne Analverkehr:
„Art. 121 - Die hadd-Strafe für beischlafähnliche oder vergleichbare Handlungen zwischen zwei Männern ohne Eindringen des Gliedes ist für jeden hundert Peitschenhiebe. Erläuterung: Falls der aktive Teil ein Nichtmuslim ist und der passive Teil ein Muslim, ist die hadd-Strafe für den aktiven Teil die Todesstrafe.)
Art. 122 - Werden die beischlafähnlichen oder vergleichbaren Handlungen dreimal wiederholt …, so ist die hadd-Strafe beim viertenmal die Todesstrafe.
Art. 123 - Liegen zwei Männer, die nicht miteinander blutsverwandt sind, ohne Notwendigkeit nackt unter derselben Decke, so werden beide mit einer taczir-Strafe von bis zu neunundneunzig Peitschenhieben bestraft.
Art. 124 - Wer einen anderen aus Wollust küßt, wird mit einer taczir-Strafe von bis zu sechzig Peitschenhieben bestraft.“(116)

Das 3.Kapitel befasst sich mit lesbischem Geschlechtsverkehr:
„Art. 129 - Die hadd-Strafe für lesbische Liebe ist für jeden hundert Peitschenhiebe. …
Art. 131 - Wurde die lesbische Liebe dreimal wiederholt und ist jedesmal eine hadd-Strafe verhängt worden, so ist die hadd-Strafe beim viertenmal die Todesstrafe.“(117)

Auffälligerweise steht Transsexualität im Iran aufgrund einer Fatwa von Ayatollah Khomeini nicht unter Strafe. D.h., ein schwules oder lesbisches Paar kann seine Sexualität leben und offiziell verheiratet lebenslang zusammenbleiben, wenn einer die Umwandlung des Körpergeschlechtes durchführen lässt, so dass nach außen wieder die Heterosexualität gewahrt ist.

Ebenso fordern in Mauretanien Artikel 308 (und 306) des Strafgesetzbuches (Penal Code) von 1984 Homosexualität bei Männern die Todesstrafe und bei Frauen Gefängnis:
“ART. 308. “Any adult Muslim man who commits an impudent act against nature with an individual of his sex will face the penalty of death by public stoning. If it is a question of two women, they will be punished as prescribed in article 306, first paragraph”
ART. 306(1). "… will be punished by a sentence of between three months to two years imprisonment ”(118)

Die weiteren Länder, die die Todesstrafe androhen, sind allesamt mehrheitlich ,muslimische Länder (Saudi-Arabien, Jemen, Sudan, nördliche Provinzen Nigerias(119)).

Der Libanon (vor allem Beirut) ist eines der am wenigsten sexual-repressiven Länder der arabischen Welt. Hier gibt es eine Gruppe, die sich auch länderübergreifend in der arabischen Welt für queere Rechte einsetzt: „Helem“(120). Der Name ist ein Akronym für „Libanesische Schutzorganisation für Schwule und Lesben“.

6. Zusammenfassung

Mutmachend ist die Stellungnahme des israelischen Arabers Hassan Jabarin, Anwalt in Menschrechtsfragen: "The struggle for existence as gay people supersedes the national and religious differences that otherwise divide them."(121) Nationale Gräben werden durch Liebe und Sex überwunden: "The fact that gay identity has what Jabarin called 'a transnational component' makes integration between Jewish and Arab gays that much easier. He speculated that the gay community had a number of mixed Jewish-Arab couples, higher perhaps as a percentage than in the country as a whole."(122) In seinen Worten klingt die Möglichkeit durch, dass der Kampf für queere Gleichberechtigung ein weiterer Bereich ist, in dem Juden und Araber exemplarisch. zusammenarbeiten, ja miteinander für ein gemeinsames, gutes Ziel kämpfen. (Als Beispiele finden sich auf dieser Seite: die Zusammenarbeit von arabischen und jüdischen queeren Gruppen im Offenen Haus in Jerusalem (Kapitel 4.7.) und der arabisch-jüdische queere Fußballklub (Kapitel 4.6.).)

Für diejenigen Queers, die nicht weiter in den Nahost-Konflikt involviert sind, ist die Beschäftigung mit israelischen Queers auch deshalb gewinnbringend, weil hier deutlich wird, wie sich queere Emanzipation auch in einem in mehrfacher Hinsicht schwierigen Umfeld entwickeln kann, und weil man hier das Konzentrat einer Kultur findet, die jahrtausendelange Erfahrungen mit der Minderheitenrolle(123) hat.

  1. מדינת ישראל ... תהא מושתתה על יסודות החירות הצדק והשלום לאור חזונם של נביאי ישראל; תקיים שויון זכויות חברתי ומדיני גמור לכל אזרחיה בלי הבדל דת, גזע ומין
    Der Staat Israel …wird auf den Grundlagen der Freiheit, Gleichheit und des Friedens – im Lichte der Weissagungen der Propheten Israels – gegründet sein; er wird volle soziale und politische Gleichberechtigung aller Bürger ohne Unterschied der Religion, der Rasse und des Geschlechts gewähren“. (Krupp, Michael: Zionismus und Staat Israel. Ein geschichtlicher Abriß, 3.Auflage Gütersloh 1992, 123)
  2. Eve Kosofsky Sedgwick beschreibt in einem interessanten Aufsatz genau diese analoge Minderheitensituation, nämlich, „daß eine Art Grenzfall des Coming-out gerade im Drama der jüdischen Selbstidentifikation vorliege, verkörpert im biblischen Buch Esther“(Kosofsky Sedgwick, Eve: Epistemologie des Verstecks, in: Kraß, Andreas: Queer denken. Gegen die Ordnung der Sexualität (Queer Studies), 2.Aufl. Berlin 2003, (116-143) 123) – „Die in diesem Augenblick herrschende Atmosphäre der Anspannung wäre für jeden Schwulen, der sich an ein Coming-out … herangetastet hat, sofort wiederkennbar. „Wenn ich umkomme, so komme ich eben um“, sagt Esther in der Bibel (Est 4,16).“ (a.a.O., 124) Dabei weist Kosofsky Sedgwick auf einen wichtigen Unterschied zwischen der queeren und der jüdischen Minderheitengruppe hin: Juden können anders als Queers auf die generationenlange Erfahrung ihrer Familie mit einer Minderheitensituation und deren erprobte Überlebens-Strategien zurückgreifen: Queers aber „müssen .. sich aus Fragmenten eine Gemeinschaft zusammenflicken, ein brauchbares Erbe, eine Politik des Überlebens und des Widerstands. Esther hingegen stehen … immer schon eine intakte Identität, Geschichte und Verpflichtung zur Verfügung“ (a.a.O., S.131)
  3. Immerhin zeigt die Existenz und Verteidigung des Staates Israel, dass es Minderheiten in der Welt möglich ist, erfolgreich zu überleben.
    Das macht auch anderen Minderheiten – z.B. Queers - Mut zum Leben: Sollte ein queerer Staat analog dem jüdischen Staat Israel angestrebt werden mit der Begründung, die auch Israel nennt: dass es so jederzeit einen Rettungshafen geben muss - für den Fall der Verfolgung der (queeren) Minderheit?
    Diese Verbindung - speziell unter Zitierung von Theodor Herzls "Der Judenstaat"(1896), einem Grunddokument für den Staat Israel - zieht auch Garrett Graham in seinem Plädoyer für einen queeren Staat: "In modern history, I don't know of a text more capable of lifting up so many oppressed minorities as The Jewish State, by Theodor Herzl. ... a Gay youth enduring life in America's Bible Belt, The Jewish State is both at once consoling in ones plight and inspirational in finding a way to a brighter future. ... You will see that Herzl's words, messages and concepts live on in this third edition of The Gay State." (Graham, Garrett: The Gay State. The Quest for an Independent Gay Nation-State and What it means to Conservatives and the World's Religions, 3.Auflage, New York Bloomington (IN) 2010, Seite 10f)
    "... gibt es ein besonderes Interesse von Homosexuellen an Israel? - Ich glaube ja. Es gibt eine gewisse Sensibilität für die Belange von Minderheiten. ... Außerdem haben viele Schwule erkannt, dass Israel der einzige Ort im Nahen Osten ist, wo sie hinreisen können und eine gute Zeit haben." (Knuth, Christian: Kippa tragen oder Hand in Hand spazieren? Alleine die Frage ist eine Zumutung! (29.7.2017), blu-Berlin, November 2017, S.4)
  4. Sie gewann 1998 den Eurovision Contest und holte ihn dadurch für 1999 nach Israel.
  5. S.u. Kap. 4.2. und 4.4..
  6. „Die schlechtesten Werte bei der internationalen Umfrage erzielten hingegen, wie auch beim Ranking im letzten Jahr, die beiden Staaten Iran und Israel.“ (aus: Artikel („Deutschland ist Image-Weltmeister“, Der Tagesspiegel, 2.4.2008))
  7. Der jüdische Staat Israel findet sich also ähnlich wie Juden in manchen Ländern in der Rolle einer abgelehnten Minderheit. Die in Fußnote 2 und 3 erwähnte Nähe zwischen Queers und Juden/Staat Israel durch die analoge Minderheitensituation wird nun noch stärker zwischen Queers allgemein und queeren Juden/queeren Israelis, insofern hier beide Minderheitenmerkmale zusammentreffen. Der - schon in der Überschrift erwähnte - doppelte Hass gegen diese Gruppe bringt sie einem Bereich der Lebenswelt von Queers, Schwulen und Lesben besonders nahe.
  8. Kozma, Liat: Sexology in the Yishuv: The Rise and Decline of Sexual Consultation in Tel Aviv, 1930-39, in: International Journal of Middle East Studies 42 (2/2010), 231-249 (=Kozma), 231 und 236
  9. Kozma, 236
  10. „By the time of Hirschfeld‘s visit … Chaim Berlin had established a sexological practice in Tel Aviv“. (Bauer, Heike: The Hirschfeld Archives. Violence, Death and Modern Queer Culture, Philadelphia/Rom/Tokio 2017, 121)
  11. Hirschfeld,Magnus: Die Weltreise eines Sexualforschers, Brugg/Schweiz 1933 (=Hirschfeld), 356
  12. Dawar (12.2., Seite 6 unten links), HaAretz (15.2) und Do‘ar HaYom (16.2.)
  13. Absatz 3; deutsche Übersetzung: „Formen, für die wir heutzutage gemäß Hirschfelds Vorschlag mit dem Terminus 'sexuelle Zwischenstufen' benennen. …. Monographien .. Die erste 'Die Transvestiten'; in dieser behandelt er das erotische Gefühl von Männern beim Tragen von Frauenkleidern und umgekehrt. Der Titel der zweiten Monographie: 'Die Homosexualität beim Mann und bei der Frau'.“ (Der Artikel ist online zu finden auf S.3 der Ausgabe vom 21.5.1935: Dawar)
    Mit dem Begriff „Transvestiten“ meint Hirschfeld auch Menschen, die wir heute als Transsexuelle bezeichnen. In seiner Geschlechtskunde teilt er die Transvestiten in zehn „Untergruppen“ auf: Die 2.Untergruppe entspricht den heute als transsexuell bezeichneten Menschen: „Extreme Transvestiten. … Den höchsten Grad dieser körpertransvestitischen Zwangszustände beobachten wir bei denen, die eine mehr oder weniger vollständige Umwandlung ihrer Genitalien anstreben, vor allem also ihre Geschlechtsteile nach ihrer Seele formen wollen.“ (Hirschfeld, Magnus: Geschlechtskunde auf Grund dreißigjähriger Forschung und Erfahrung bearbeitet. 1.Band: Die körperseelischen Grundlagen, Stuttgart 1926, 592)
  14. Dawar-Artikel, a.a.O., letzter und vorletzter Absatz
  15. Kozma, 237f
  16. Amotz Asa-El: Middle Israel: Oy gay! (Artikel in der Jerusalem Post vom 9.11.2006)
  17. Kozma, 245
  18. http://agudah.israel-live.de
  19. S.u. Kap. 4.3., Anm.30.
  20. Lee Walzer: Between Sodom and Eden. A gay journey through today's changing Israel, New York 2000 (=Walzer), 16
  21. Friedensabkommen mit Ägypten und Jordanien und Zwischen-Abkommen mit den Palästinensern
  22. Walzer, 120
  23. S.u. Anm.31.
  24. S.u. Kap 4.2. und 4.5..
  25. Artikel "Einwanderung: Israel stärkt Rechte von Homo-Paaren"
  26. Artikel "Premiere. Israel: Erster offen schwuler Likud-Abgeordneter"
  27. Artikel über Ohanas queere Familie im Magazin "Männer"
  28. Flyer „Rechte von Homosexuellen in Israel“ (hrsg. von Botschaft des Staates Israel, Berlin 2010)
  29. Münch,Peter: Artikel "Sie sind so frei. In Israel treten zum ersten Mal elf transsexuelle Frauen zu einer Miss-Wahl an.", Süddeutsche Zeitung vom 30.Mai 2016, S.8; siehe auch unten Kapitel 4.7..
  30. Gay Happiness Index
  31. S.o.Anm.18.
  32. http://gaytlvguide.com/
  33. Website
  34. von Pride Tel Aviv
  35. http://www.tlvfest.com/en/
  36. Gaycenter
  37. Siehe hierzu die Artikel aus queer.de und der israelischen Zeitung HaArez.
  38. Flyer „Rechte von Homosexuellen in Israel“ (hrsg. von: Botschaft des Staates Israel, Berlin 2010)
  39. S.o. Anm. 8.
  40. Müller,F., Schall,A., Wegele,S., Ince,H.: Münchner Homosexuelle. Die Szene ist in Schockstarre, Artikel des Münchner Merkur vom 14.6.2016, Seite 12
  41. "GeoSure Announces Top 5 Safest Global Urban Neighborhoods for LGBTQ Travelers. Company Introduces First-Ever Localized LGBTQ Travel Safety Ratings", Artikel vom 19.9.2018 (Quelle: GeoSure Global LLC)
  42. S.u. Kap. 4.4..
  43. Website des Jerusalem Open House
  44. Website der queeren Ausstellung
  45. Haifa City Museum
  46. übersetzt: Verteidigungsarmee für Israel, Israel Defence Force
  47. Walzer, 116
  48. Walzer, a.a.O.
  49. Walzer, a.a.O.
  50. S.o. Kap. 2, Anm.9.
  51. S.o.Anm.13..
  52. S.u. Kap. 4.6., Anm.66.
  53. Walzer, 118
  54. Walzer, 119
  55. Walzer, 124
  56. Danny Kaplan: Brothers and Others in Arms. The Making of Love and War in Israeli Combat Units, New York/London/Oxford 2003 (= Kaplan), 143
  57. Kaplan, a.a.O.
  58. Kaplan, a.a.O.
  59. Siehe den Film "Yossi and Jagger" (יוסי וג׳אגר), Israel 2002, Regie: Eytan Fox (http://yossiundjagger.de/).
    Der Fortsetzungsfilm »Yossi« aus dem Jahr 2012 reflektiert die großen Fortschritte innerhalb einer halben Generation: Yossi verliebt sich in einen neunzehnjährigen Rekruten, mit dessen Schwulsein die Kameraden ganz normal umgehen.
  60. Kaplan, 150
  61. Noncommissioned officer (Unteroffizier)
  62. Kaplan,155
  63. Kaplan, 148
  64. Chumley, Cheryl K.: "Israel drafts first transgender female soldier", The Washington Times, 15.8. 2013
  65. Kapitel "Homosexualität und IDF", in: Pester, Nora: Queer in Israel, Leipzig 2018, S.162 - 164, S.162
  66. Bolton-Fasman,Judy: "Introducing Lt. Shachar Erez, the IDF’s First Transgender Officer", Jewish Boston, 10.4.2017
  67. http://haolam.de/Israel-Nahost/artikel_21038.html">"Israel setzt weiter Maßstäbe: Armee erkennt gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern an", Artikel vom 19.5.2015 bei haOlam
  68. Föderl-Schmid, Alexandra: "Sharon Afeq. Der erste offen schwule General der israelischen Armee will ein Zeichen setzen", Süddeutsche Zeitung, Artikel vom 15.7.2018
  69. S.o. Kap. 4.2..
  70. wikipedia-Artikel "Interpride", "Kapitel '2005/2006-Jerusalem", Version vom 6.August 2011
  71. Brinkschröder, Michael: Sodom als Symptom: Gleichgeschlechtliche Sexualität Im Christlichen Imaginaren - Eine Religionsgeschichtliche Anamnese, Berlin 2006
  72. Film „Du sollst nicht lieben“(עינים פקוחות - „Mit offenen Augen“), Israel/Deutschland/Frankreich 2009, Regie: Haim Tabakman
  73. Nguyen, Angelika: Eine unorthodoxe Affäre (Artikel in: DerFreitagOnline vom 19.05.2010), abgedruckt in: HuK-Info 117 (Juli-September 2010), 54
  74. Halser, Marlene: „Ich gehöre zum religiösen Mainstream“ (TAZ-Artikel vom 18.05.2010), abgedruckt in: HuK-Info 117 (Juli-September 2010) (42-43), 42
  75. a.a.O., 43
  76. a.a.O., 73
  77. http://www.bat-kol.org/english/ und im englischen Wikipedia
  78. http://havruta.org.il/english/ und im englischen Wikipedia
  79. http://www.hod.org.il/?en=1 und im englischen Wikipedia
  80. Enghusen,Mareike: Artikel Transgender. Endlich im richtigen Körper. Yiscah Smith hieß früher Jeffrey und ist Aktivistin für spirituelle Rechte", Jüdische Allgemeine vom 6.5.2015
  81. Smith, Yiscah Sara: Forty Years in the Wilderness: My Journey to Authentic Living, Seattle 2014, ISBN 9780991662319
  82. Spiegel-Artikel vom 7.8.2013: Orthodoxer Jude als Drag Queen
  83. Nach der weitgehend anerkannten Nomenklatur werden die Strömungen des Judentums von orthodox bis progressiv in folgenden Abstufungen eingeteilt: ultra-orthodox (hebr. charedi) – orthodox (hebr. dati) - konservativ (die Mittegruppe) – liberal – progressiv (oder Reformjudentum).
  84. B’rit Ahavah. Covenant of Love.Service of Commitment for Same-Sex-Couples, London 2005 (Union of Liberal Progressive Synagogues, 21 Maple Street, London W1T 4BE)
  85. King-David-Straße 13, Website des Hebrew Union College
  86. Shamastraße 5, Website von Beit Shmuel
  87. HaAretz, 20.4.12: Israeli Conservative Movement approves ordination of gay rabbis
  88. HaAretz, 2.6.12: Conservative Movement sanctions same-sex marriage
  89. Rainball Tel Aviv auf facebook und ein queer.de-Bericht: Leibfried,Dirk A.: Rainball Tel Aviv - Friedensbotschafter in kurzen Hosen
  90. Website von TWG: http://tlvwatergames.com/
  91. Deshalb kann man auch hier - wie bei den queeren jüdischen Israelis - von einem doppelten Diskriminierungspotential oder einer doppelten Ausgrenzung sprechen, wie die Überschrift eines Buchkapitels zum Thema ausspricht: "Twice marginalized" (Sodom, S.215)
  92. S.o. Anm.6.
  93. Walzer, 224
  94. Walzer, 223
  95. MK: Member of Knesset: Abgeordneter
  96. Walzer, 226
  97. Thorsten Schmitz, Allahs verlorene Söhne, SZ vom 22.11.2006, 11
  98. The Bubble (הבועה), Israel 2006, Regie: Eytan Fox
  99. Walzer, 224
  100. Queer.de: "Arabische Katholikin ist Miss Trans Israel", 28.Mai 2016; siehe auch oben Kapitel 3.
  101. a.a.O.
  102. Münch,Peter: Artikel "Sie sind so frei. In Israel treten zum ersten Mal elf transsexuelle Frauen zu einer Miss-Wahl an.", Süddeutsche Zeitung vom 30.Mai 2016, S.8
  103. S.o. Kap. 4.3., Anm.32.
  104. Walzer, 237
  105. Zarchin.Tomer: Court: Palestinian persecuted for homosexuality can stay in Israel, Artikel in: HaAretz
  106. Kapitel "Das Jerusalem Open House for Pride and Tolerance", in: Pester, Nora: Queer in Israel, Leipzig 2018, S.72 - 80, S.77
  107. alQaws Website
  108. Flyer der Gruppe „The Palestinian Community Programming Project“ (englisch und arabisch)
  109. Shalicar, Arye Sharuz: "LGBT in der israelischen Armee", in: Pester, Nora: Queer in Israel, Leipzig 2018, S.154 - 161, S.155
  110. a.a.O., 156
  111. Artikel "Al Arz Techina, Araber und die LGBT" (haGalil.com vom 23.7.2020)
  112. Oster, Marcy: Artikel "Israeli diplomats buy 600 pounds of tahini to back Arab-Israeli businesswoman hit by boycott" (Jewish Telegraphic Agency vom 23.7.2020)
  113. Ganz ähnlich wurden deutsche Juden, die in der Nazizeit nach Großbritannien geflohen waren, zuerst nicht als verfolgte Juden angesehen, sondern man hatte den Anfangsverdacht, sie wären als deutsche Spione gekommen.
  114. S.o. bei Anm.63 den Artikel von Thorsten Schmitz.
  115. Strafgesetze der Islamischen Republik Iran (übersetzt und eingeleitet von Dr. Silvia Tellenbach), Sammlung Außerdeutscher Strafgesetzbücher in Deutscher Übersetzung , Bd. 106, Berlin 1995
  116. a.a.O.
  117. a.a.O.
  118. a.a.O.
  119. Mauretanisches Strafgesetz
  120. ILGA-Map of world Laws
  121. Helem und http://Wikipedia, Helem
  122. Walzer, 225
  123. Walzer, 226
  124. S.o. Anm.2.
Hier gelangen Sie durch einen Klick zu einem Aufsatz, der von der Akzeptanz von Minderheiten als ethischem Indikator für eine Gesellschaft spricht.

B. Magnus Hirschfeld in Israel (1932)

Magnus Hirschfelds Aufenthalt in Israel/Palästina, seine persönlichen Eindrücke und sein Einfluss auf die weitere sexualemanzipatorische Entwicklung in Israel

Inhaltsverzeichnis

1. Reisedaten 1932
2. Der Einfluss der Israel-Etappe auf Magnus Hirschfelds Beziehung zum Judentum und zum Zionismus
3. Sexualemanzipatorische Aktivitäten und Entdeckungen Hirschfelds in Israel-Palästina
4. Nachwirkungen Hirschfelds in Israel bis heute
Fußnoten
Literaturverzeichnis

1. Reisedaten 1932

Magnus Hirschfeld (1868 – 1935) besuchte viele Orte auf seiner Weltreise, die am 15. November 1930 (Aufbruch in die USA) begann. Jedoch zeigt sein Reisebericht, dass die letzte Etappe in Israel-Palästina(1) (14. Februar bis 13. März 1932) (Rückkehr nach Europa am 17. März 1932 im Hafen Piräus/Athen(2)) ihn in besonderer Weise bewegte.

2. Der Einfluss der Israel-Etappe auf Magnus Hirschfelds Beziehung zum Judentum und zum Zionismus

Bei Hirschfeld lässt sich eine abnehmende, schließlich nicht mehr sichtbare jüdische Selbstidentität während seiner Studienzeit beobachten: An seinem ersten Studienort in Breslau benannte er in der entsprechenden Rubrik seine Religion mit „jüd.“, danach schrieb er „'diss.' für 'Dissident' als Zeichen dafür, dass er die Glaubensgemeinschaft der Eltern verlassen hatte“ (Dose 2005: 33). Auf der einen Seite war also „Hirschfelds Verhältnis zum Judentum .. stets .. problematisch und problematisierend“ (Bauer 2004: 272).

Jedoch zeigen uns die Eindrücke, die Hirschfeld während seines Palästina-Aufenthalts empfand, eine neue Seite seiner Persönlichkeit, nämlich dass offensichtlich Erinnerungen an die jüdische Religion aus seiner Kindheit und einer – wenn auch liberalen – jüdischen Herkunftsfamilie plötzlich wieder verstärkt ins Bewusstsein getreten sind, weil sie im Unterbewussten schlummerten. Hirschfeld stellt auf fast 2 Seiten (Hirschfeld 1933: 352f) die biblischen Stätten Palästinas dar – mit dem Zusatz: Es „steigen so Erinnerungsbilder aus der Vergangenheit und Vergessenheit auf“ (Hirschfeld 1933: 353). Er zeigt sogar vertiefte biblisch-geographische Kenntnisse, die über den Lernstoff des Religionsunterrichts und somit über den Kernbestand biblischer Geschichten bei den meisten Gläubigen hinausgehen, wenn er im Blick auf „die Berge von Gilboa“ (Hirschfeld 1933: 376) daran denkt, dass genau hier „Saul gegen die Philister kämpfte und mit seinem Sohne Jonathan fiel“ (a.a.O.). Charlotte Wolff sieht hier „his attachment to the biblical places of Palestine.“ (Wolff 1986: 356) Auch Heike Bauer ist überrascht von einer biblischen „familiarity that is derived from his knowledge of the Old and New Testaments“ (Bauer 2017: 120), die uns hinleitet zu einem „harking back to Hirschfeld‘s seldom-mentioned Jewish background.“ (a.a.O.) So wird gerade hier deutlich, dass „das Judentum für Hirschfeld … ein kaum explizit thematisierter, darum aber um so entscheidenderer Faktor seines Lebens- und Denkhorizontes“ (Bauer 2004: 282) war. Gleichzeitig kritisiert Hirschfeld eine weltfremde Frömmigkeit durch seinen Vergleich zwischen den kritisch gesehenen „schluchzenden chassidischen Jünglingen an der Klagemauer von Jerusalem und den frischen Jungen und Mädels am Strande von Tel Aviv, denen der 'schöne Götterfunke der Freude' aus den Augen sprüht!“ (Hirschfeld 1933: 355)

Diese Jugendlichen vom Tel Aviver Strand sind auch Symbole für das Programm des Zionismus, diesseitig-weltzugewandt zu leben, gleichzeitig aber die eigene jüdische Identität so intensiv zu betonen, dass sie am besten in einer eigenen jüdischen Gesellschaft gelebt werden kann.

Hirschfeld kannte die Ideen des Zionismus fast seit ihrem Beginn, denn er erwähnt kurz vor seinem Tod, dass er auf einer Parisreise (Anfang der 1890er-Jahre gegen Ende seines Medizinstudiums(3)) den Arzt Max Nordau kennenlernte, eine frühe Führungsperson des Zionismus: In „Paris … wirkten als Journalisten Theodor Herzl, der Verfasser des 'Judenstaat', und Max Nordau, in dessen Haus ich in Paris damals ...als Student viel verkehrte. Heiß tobte damals der Meinungskampf über die Berechtigung der zionistischen Bewegung“ (Hirschfeld 1935: 8).

Es ist schon eine frappierende historische Parallelität, dass beide jüdische Aktivisten, die der Weltgeschichte wichtige Impulse gegeben haben, im gleichen Jahr ihre grundlegende Schrift veröffentlichten (1896 - Magnus Hirschfeld: Sappho und Sokrates; Theodor Herzl: Der Judenstaat(4)) und im Jahr darauf für ihre Bewegung eine Organisation gründeten (1897 - Hirschfeld: Wissenschaftlich-humanitäres Komitee in Berlin; Herzl: 1. Zionistischer Kongress in Basel).(5)

Eine weitere Begegnung mit dem schon erstarkten Zionismus machte Hirschfeld 25 Jahre später Ende 1917 in Folge der Balfour-Deklaration bei einer größeren Versammlung in Berlin: „Klee … begann mit den Worten …: 'Juden! Wir haben ein Land!' … Nie habe ich vorher oder nachher solchen Freudentaumel gesehen.“ (Hirschfeld 1933: 388) Neben seiner sexualreformerischen Arbeit hat Hirschfeld sich in diesen Jahren wenig um die zionistische Bewegung gekümmert.

Hier nenne ich nun einen weiteren Eindruck, eine weitere Wirkung des Palästina-Aufenthaltes auf Hirschfeld. Er entwickelte – mit einer ganzen Reihe von Einschränkungen - Sympathien für den Zionismus, nachdem er dessen Ergebnisse in der Realität erleben konnte. Er betont ausdrücklich die Veränderungen, die der Aufenthalt bei ihm auslöste: „das zionistische Experiment, dem ich unter gewissen Voraussetzungen durchaus wohlwollend gegenüberstehe, namentlich seitdem ich das Glück hatte, seine Erfolge an Ort und Stelle studieren zu können“ (Hirschfeld 1933: 358). Heike Bauer deutet Hirschfelds Worte in der „Weltreise“ ähnlich: „he speaks out in favor of Zionism, influenced by his own experiences of the 'success' of Zionism in Palestine.“ (Bauer 2017: 120)

Chaim Berlin schreibt in seinem Nachruf auf Magnus Hirschfeld in der Zeitung Dawar, nachdem er Hirschfelds Buch über seine Weltreise erwähnt hatte (aus dem Hebräischen übersetzt): „Hier war es Hirschfeld, der bis dahin dem zionistischen Ideal fern stand, möglich, vieles zu sehen und zu lernen. Das Kapitel über das Land Israel ist durchdrungen von Liebe und Verständnis für das jüdische Projekt und das neue Leben in Israel.“(6) Chaim Berlin war der engste Vertraute Hirschfelds in Palästina. Er sah Hirschfeld vom ersten Tag seines Palästina-Aufenthaltes an, als er ihn vom Bahnhof in Ludd (Lod) abholte (Hirschfeld 1933: 357) und bekam in den nächsten Wochen die innere Entwicklung Hirschfelds mit. Gerade, weil Chaim Berlin als langjähriger Kollege Hirschfelds dessen anhaltende Skepsis gegenüber dem Zionismus kannte, muss die von ihm beobachtete Wandlung in dessen Einstellung, die Hirschfeld selbst beschreibt, doch in seiner Umgebung auffällig und deutlich gewirkt haben.

Sodann fällt auf, dass Hirschfeld in seinem Reisebericht kurz nach der Palästinareise den glühenden Zionisten Max Nordau, den er in jungen Jahren getroffen hatte (s.o.), so stark mit Worten würdigt: „Max Nordau aber, den edlen Helfer und Freund Theodor Herzls“. (Hirschfeld 1933: 389)

Ganz konkret schreibt Hirschfeld von seinen Eindrücken: „Ganz gewiß ist die Leistung der Zionisten in Palästina eine ganz außerordentliche, einige ihrer Schöpfungen müssen geradezu als glanzvoll bezeichnet werden“ (Hirschfeld 1933: 388). In einem ganzen Kapitel („Im Emektal“) auf fast 3 Seiten schildert er die landwirtschaftlichen Erfolge: „Im Laufe der Jahrhunderte aber war der Boden in einen grauenhaften Zustand der Versumpfung und Verwahrlosung geraten. … Daß sich die Chaluzim … trotz dieser Mißstände und Mißerfolge nicht abschrecken ließen, ist aller Anerkennung wert.“ (Hirschfeld 1933: 368) – „Dementsprechend haben auch Ackerbau und Viehzucht einen glänzenden Aufschwung genommen.“ (Hirschfeld 1933: 369) Trotz des Konfliktes stellt er fest: „Damit soll nicht gesagt sein, daß der Zionismus als Idee abgewirtschaftet oder Fiasko gemacht hat.“ (Hirschfeld 1933: 389)

Hirschfeld schildert auch den bereits bestehenden Konflikt und sieht die arabischen Angriffe von 1929 als die „schauerlichen, an die furchtbarsten russischen Pogrome erinnernden Vorkommnisse“ (Hirschfeld 1933: 385) an. Er zitiert einen jüdischen Mediziner-Kollegen: „wir leben hier alle ständig wie auf einem Vulkan“ (Hirschfeld 1933: 386) Mit Sympathie beschreibt er die Stimmung in der jüdischen Gemeinschaft: Man findet „bei der großen Mehrzahl der Pioniere … keineswegs Gefühle der Entmutigung und Enttäuschung …, sondern daß fast alle mutig, fröhlich und zuversichtlich sind.“ (Hirschfeld (1933): 384) Er nennt auch die zu Gewalt anstachelnde, „gewissenlose Vorspiegelung …, daß die Juden die Araber von ihren Wohnstätten vertreiben wollten“ (Hirschfeld 1933: 382).

Hirschfeld hat sich ebenso mit arabischen Bewohnern getroffen, wovon er im Kapitel „Der arabische Anspruch“ (Hirschfeld 1933: 381 – 384) berichtet.

Sein politisches Ziel in diesem Konflikt formuliert Hirschfeld so: „Gelingt es den Zionisten, ihr Ideal einer nationalen Heimstätte auf historischem Boden auf friedlichem Verständigungswege zur Durchführung zu bringen, so ist damit einer tiefen Wunschvorstellung vieler wertvoller Menschen Genüge geschehen.“ (Hirschfeld 1933: 391) Für seine politische Zielvorstellung ist eine Haltung wichtig, „die zwischen den Völkern nicht den geringsten Wertunterschied macht“ (Hirschfeld 1933: 392), durch die es möglich ist, in einem „solchen Panhumanismus und Kosmopolitismus sich frei als Weltbürger bekennen“ (a.a.O.) zu können.

Hirschfeld nennt im Rückblick seinen Palästina-Aufenthalt einen „Glanzpunkt .., dessen strahlender Leuchtkraft er sich nicht so leicht und schnell entziehen kann.“ (Hirschfeld 1933: 350) Und er fährt fort, dass ihm „von keinem Land der Abschied so schwer fiel wie von Palästina.“ (a.a.O.) Mit merkbaren Emotionen schreibt er, dass ihm „so außerordentlich viel .. die Menschen, die Natur, die Geschichte und die Zukunft dieses Landes bedeuten.“ (Hirschfeld 1933: 361)

Das Angebot, in Palästina seinen „Alterswohnsitz“ (Hirschfeld 1933: 361) zu nehmen, lehnt er vor allem nur wegen der hebräischen Sprache ab. Hirschfeld empfand es als hinderlich für sein wissenschaftliches Engagement und seine Vorträge, angewiesen zu sein auf die „Hilfe von Kollegen .., die meine Ausführungen absatzweise ins Hebräische übertrugen“ (Hirschfeld 1933: 362).

Für Hirschfeld bekommt in Israel seine jüdische Herkunft wieder eine größere innere Bedeutung ebenso wie seine persönlichen Erfahrungen mit antisemitischen Aggressionen. Den Bezug zu – vermutlich auch seinen eigenen – antisemitischen Erfahrungen stellt er mit fast pathetischen Worten her, wenn er davon spricht, es sei Tel Aviv für die eingewanderten „Juden, die der Verfolgung und Verachtung ihrer Geburtsländer müde waren, ein Ort seelischer Entspannung und Befreiung, ihr 'Platz an der Sonne'.“ (Hirschfeld 1933: 363)

Schließlich ist noch eine zukunftsweisende Deutung von Andreas Kraß sehr interessant. Er bezieht sich darauf, dass Hirschfeld beeindruckt schreibt, es sei „Tel Aviv .. in mehr als einer Beziehung ein sehr bemerkenswerter Ort. … die einzige einheitlich jüdische Stadt der Gegenwart; … vom Polizisten bis zum Straßenkehrer und Schornsteinfeger alles Juden.“ (Hirschfeld 1933: 357) Kraß sagt in seinem Podcast über Hirschfelds Aufenthalt in Palästina, man könnte „vielleicht sogar behaupten, dass für Hirschfeld die Außenseitermerkmale, jüdisch und homosexuell zu sein, in gewisser Weise austauschbar waren“.(7) - „Wenn Hirschfeld … Tel Aviv geradezu als utopische Stadt beschreibt, in der alle Einwohner jüdisch sind …, dann beschwört er implizit auch die Phantasie einer ausschließlich homosexuellen Stadt“.(8)

3. Sexualemanzipatorische Aktivitäten und Entdeckungen Hirschfelds in Israel-Palästina

Hirschfeld hielt insgesamt zehn thematische Vorträge (Hirschfeld 1933: 366f) – vor sehr unterschiedlichem Publikum: je zwei Fachvorträge in Jerusalem und Tel Aviv, einen in Haifa, dann für die Öffentlichkeit je einen Vortrag in diesen drei Städten. Schließlich hielt Hirschfeld noch weitere Vorträge für die Öffentlichkeit, aber auf dem Land, und zwar zwei im Kibbuz Bet Alfa östlich von Haifa und – über die zehn hinausgehend – sprach er in deren Nachbarschaft in „abendlichen Vorträgen im Speisesaal von Chefzibah“ (Hirschfeld 1933: 375). Die Themen (Hirschfeld 1933: 367) der Fachvorträge behandelten die Sexualpathologie und -ethnologie. Vor öffentlichem Publikum sprach Hirschfeld in den Städten über: „Die wichtigsten Sexualprobleme unserer Zeit“ und im sozialistischen Kibbuz über „Sexualerziehung und die sowjetrussische Lösung der Sexualfragen“.

Hirschfeld berichtet (Hirschfeld 1933: 365 - 367) von vielen Begegnungen mit Menschen, die Sexualberatung erbaten, von einem Andrang auf seine Vorträge und 230 Fragen, die ihm von der Zuhörerschaft gestellt wurden. Die ihm in Einzelgesprächen vorgetragenen Sexualprobleme erlebte er als fast identisch mit denen in Europa.

Hirschfeld erlebte, dass das sich schon seit Jahren entwickelnde große Interesse an Sexualwissenschaft in Palästina Anfang der 1930er-Jahre einen ersten Höhepunkt erreichte: They "had begun to experiment with radical new forms of living … . Sexual reform was part of this process“ (Bauer 2017: 121). – „Beginning in the 1920s, kibbutz leaders … implemented psychoanalytically informed sex-education measures to try to raise children 'free of bourgeois neuroses.'“ (Leng 2018: 431) Damit entstanden im Kibbuz auch freiere Bedingungen für homosexuelles Leben: a „rise … to ... homoerotic conditions“. (Leng 2018: 433) Obwohl auch der Kibbuz „Ain Charod … stürmisch nach einem Vortrag verlangte“ (Hirschfeld 1933: 367), wo er sich wenigstens einen Vormittag lang aufhielt (Hirschfeld 1933: 376), konnte Hirschfeld dieses große Interesse aus Zeitgründen nicht mehr befriedigen. Einer der führenden Leute von Bet Alfa schrieb würdigend in Hirschfelds Reisebuch: „Dem Vorkämpfer für Befreiung und Erneuerung der Menschheit auf dem Gebiet sexueller Probleme ... eine Erinnerung .. an das Land, in dem ein altes Volk sich befreien und erneuern will, und an eine der Siedlungen, wo man im Rahmen der Regenerationsbestrebungen des jüdischen Volkes die menschlichen Probleme von sozialer Gerechtigkeit ... in persönlicher Lebensgestaltung zu verwirklichen sucht“ (Hirschfeld 1933: 375).

Ähnlich würdigend schrieb Tel Avivs Bürgermeister Me‘ir Dizengoff in Hirschfelds Reisebuch, von dem er im Rathaus empfangen wurde: „Möge Dr.Hirschfeld, der sein Leben der Erneuerung des menschlichen Geschlechts gewidmet hat, uns mithelfen bei der Erneuerung unseres Volkes, und möge der den Aufbau Israels und seines Landes mit eigenen Augen schauen. “ (Hirschfeld 1933: 363).

Hirschfeld erlebte aber aber nicht nur Interesse an der Theorie der Sexualität, sondern praktisches Experimentieren mit Sexualreformen und neuen Formen von Sexualität. Schon am Strand von Tel Aviv, seiner ersten Station, erkannte er bei den jungen Leuten befreite Sexualität: Es „spricht aus ihnen soviel Lebenslust, Lebenskraft und Lebensbejahung, daß die unterbewußt vom Erotischen ihren Ausgang nehmenden Verkrampfungen und Minderwertigkeitsgefühle, die man in diesem Alter sonst so häufig findet, überwunden zu sein scheinen.“ (Hirschfeld 1933: 356)

In Bet Alfa und den benachbarten Kibbuzim auf dem Land machte er ähnliche Beobachtungen. Allgemein gesprochen war für ihn der Aufenthalt in den Kibbuzim ein lehrreiches Anschauungsbeispiel für die „nahen Beziehungen zwischen sexuellem und sozialem Gemeinschaftsleben“ (Hirschfeld 1933: 368). Zunächst einmal erfreute ihn beim abendlichen Tanzen der Hora, dass Männer und Frauen sich ganz unverkrampft und gleichberechtigt nahekommen: „Hier aber traten bald Mädchen, bald Männer in den Kreis, beide Geschlechter waren fast gleichmäßig 'in bunter Reihe' beteiligt.“ (Hirschfeld 1933: 377) Da der sozialistische Kibbuz die gesamte materielle Versorgung seiner Mitglieder übernimmt, stellte Hirschfeld erfreut fest, dass dort „die Gründe einer ehelichen Verbindung mehr auf dem Gebiet rein erotisch-biologischer Anziehung, echter gegenseitiger Zuneigung, als in den äußeren Motiven einer 'guten Partie'“ (Hirschfeld 1933: 373) liegen. Auch die Entscheidung über eine Ehescheidung ist von äußeren Zwängen befreit, z.B. dem „Streit um das Kind“ (Hirschfeld 1933: 371) und um sein Wohlergehen, weil dafür die Kibbuzgemeinschaft auch weiterhin sorgen wird. Zusammenfassend betont er, dass ihn „die hier zum ersten Male gesehene Verwirklichung der Theorie: 'Kinder sind Sache der Gemeinschaft, Ehe ist Privatangelegenheit', … als Sexualforscher brennend interessierte.“ (Hirschfeld 1933: 374)

Hirschfelds Begeisterung über diese und alle ähnlichen Beobachtungen hat sicher auch damit zu tun, dass er hier die „Verwirklichung der Theorie“, also manche Ziele seiner sexualwissenschaftlichen Theorien schon praktisch realisiert sehen konnte – durchaus im Unterschied zum damaligen Deutschland.

Hirschfeld machte auch eine interessante Erfahrung, die seinem „Panhumanismus“ (Hirschfeld 1933: 392) entspricht: Seine öffentlichen Vorträge in den drei Städten wurden gemeinsam organisiert von „der Kulturkommission der palästinensischen Arbeiterschaft in Verbindung mit der jüdischen Arbeiterjugend“ (Hirschfeld 1933: 367). An erstere gingen die Eintrittsgelder der Vorträge. Sexualität und Sexualwissenschaft kann also zu einer friedensstiftenden, menschen-verbindenden Klammer werden, selbst zwischen Gruppen, die gerade im Konflikt stehen – wie Juden und Araber in Palästina 1932: „the cultural commission of Palestine working men, which young Jews had been able to join. He must have been comforted that the working class had not yet been split up by Arab-Jewish antagonism.“ (Wolff 1986: 356)

4. Nachwirkungen Hirschfelds in Israel bis heute

Die positiven sexualemanzipatorischen Entwicklungen in Israel, die oben schon beschrieben wurden und die Hirschfeld 1932 beobachten konnte, entfalteten sich weiter. Hirschfeld dürfte hierzu durch seinen Israelbesuch, seine Vorträge und persönlichen Begegnungen einen wichtigen Beitrag geleistet haben: „a lively interest in sexology .. he also succeeded in turning this interest into a contribution to the development of the new Jewish homeland. It was one of the last tangible contributions Hirschfeld was able to make anywhere.“ (Haeberle (1982): 305) Als Folge davon wurden seit "der Staatsgründung Israels 1948 ... homosexuelle Handlungen ... nie sanktioniert. Im Sinne einer aus den 1920er Jahren stammenden starken sexualemanzipatorischen Bewegung um Magnus Hirschfeld und Chaim Berlin wurden diese als Privatsache angesehen.“ (Pohl 2018b: 22f)

Auf dem 2013 vor dem queeren Zentrum in Tel Aviv errichteten Denkmal für die queeren Holocaust-Opfer (S.o. Aufsatz A, Kap 4.1..) wird neben wenigen anderen Personen Markus Hirschfeld erwähnt und mit folgenden Worten auch in Englisch gewürdigt: "Most prominent target for Nazi assaults against Jewish homosexuals was Magnus Hirschfeld, whose research institute was demolished by Nazi goons."

Anlässlich des Gay Pride in Tel Aviv hat Rachel Druck am 12. Juni 2019 auf dem Blog der Website des bedeutenden und 2021 nach der Groß-Renovierung wieder eröffneten Museums of the Jewish People – Anu (früher Diaspora-Museum Beit HaTfutzot) in Tel Aviv) Magnus Hirschfeld in einem Artikel gewürdigt: „Pride and Prejudice: The Jewish Doctor Who Fought for LGBT Rights Over a Century Ago“.(9) In der ständig wachsenden Genealogie jüdischer Menschen, die dieses Museum pflegt, ist Magnus Hirschfeld dadurch ehrend hervorgehoben, dass nicht nur sein Name eingetragen ist, sondern zusätzlich eine Würdigung seiner Verdienste mit dem Kernsatz: „His main work was sexual research, especially into homosexuality.“(10)

Die Ausstellung des Haifa City Museums "‘What Will The Neighbours Say?‘ Queer Life in Haifa 1932 – 2007“(11), die vom 27.2.2021 bis 31.3.2022 geöffnet ist (S.o. Aufsatz A, Kap 4.3..), ehrt Magnus Hirschfeld dadurch, dass der dargestellte Zeitraum mit dem Jahr 1932, dem Jahr des Aufenthalts von Magnus Hirschfeld in Haifa, beginnt.

Fußnoten

  1. Als Hauptquelle dient natürlich Hirschfelds Reisebericht (Hirschfeld 1933). Ganz kurz erwähnt Hirschfeld diese Palästina-Reisepläne in seinem „Testament“, eigentlich chronologische Aufzeichnungen, und zwar im 29. Abschnitt vom 26. November 1931: „bin jetzt auf dem Wege nach Cairo und Jerusalem … Februar: Palästina“ (Dose 2013: 132).
  2. Rückreise von Palästina über Damaskus und Beirut nach Athen (Hirschfeld 1933: 367); „Einreisestempel vom 17.3.1932 aus Piräus“ (Dose 2013: 136, Anm. 362).
  3. Eine frühere Datierung der Parisreise ist kaum wahrscheinlich, weil Max Nordau in seiner „Selbstbiographie“ schreibt, dass er zu einem Zionisten erst durch Theodor Herzl geworden war, der ab 1891 in Paris wirkte: „Viele Jahre habe ich … keine Berührung mit dem Judentum gehabt. … Die Initiative fiel meinem teuren Freunde Herzl zu … Er wies mir den Weg zur Erfüllung meiner Pflichten gegenüber meinem Volke.“ (Nordau 1909: 486) Im Inhaltsverzeichnis dieses Buches (Nordau 1909: 487) zeigt Nordau sogar erst das Jahr 1897 als Beginn seiner zionistischen Schriften an.
    Mancini datiert die Reise auf das Jahr 1892: „Hirschfeld … spent the two years that followed his medical study traveling … His first destination was France, where he came into contact with Max Nordau“. (Mancini 2010: 19)
  4. Diese Schrift erwähnt Hirschfeld mit Erscheinungsjahr auch schon in seinem Reisebericht (Hirschfeld 1935: 388).
  5. Siehe auch im Ziffer-Roman die Begründung im fiktiven Antrag an die Tel Aviver Stadtverwaltung für eine Park-Benennung nach Markus Hirschfeld: „Es besteht eine enge Verbindung zwischen Hirschfeld und der zionistischen Restaurierung, da Hirschfelds Bewegung just in dem Jahr geboren wurde, in dem auch der Erste Zionistische Kongress zusammentrat. … Darüber hinaus finden sich nicht wenige Berührungspunkte zwischen Zionismus und Homosexualität“ (Ziffer 2009: 186).
  6. Dawar vom 21.5.1935, Absatz 6
  7. Kraß, Andreas (2020): Magnus Hirschfeld in Palästina. Religion und Sexualität in der Weltreise eines Sexualforschers (1933). Podcast vom 15. Juni 2020, 1 Std, 22. Minute – 1 Stunde, 23.Minute (https://www.youtube.com/watch?v=-cHV9bCKLck), Podcastreihe am Institut für Religionswissenschaft der Freien Universität Berlin: „Religion, Geschlecht und Sexualität“
    Hirschfeld spricht „von den beiden Weltsündenböcken, …. den Juden und den Homosexuellen“ (Herzer, Manfred/Steakley, James. Hrsgg.: Hirschfeld, Magnus (1922/23): Von einst bis jetzt. Geschichte einer homosexuellen Bewegung 1897 – 1922 (Schriftenreihe der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft Nr.1)), Berlin 1986, 126)
  8. Kraß, Podcast, 1 Std, 23. Minute – 1 Stunde, 24.Minute
  9. Pride and Prejudice: The Jewish Doctor Who Fought for LGBT Rights Over a Century Ago
  10. https://dbs.anumuseum.org.il/skn/en/c6/e238239/Personalities/Hirschfeld_Magnus
  11. https://www.hcm.org.il/eng/Exhibitions/8694/%22What_Will_The_Neighbours_Say|fq|

Literaturverzeichnis

Bauer, J. Edgar (2004): „Ahasverische Unruhe“ und „Menschheitsassimiliation“: Zu Magnus Hirschfelds Auffassung vom Judentum. In: Kotowski, Elke-Vera; Schoeps, Julius H. Hrsgg.: Der Sexualreformer Magnus Hirschfeld. Ein Leben im Spannungsfeld von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Berlin: be.bra wissenschaft verlag: 271-291

Bauer, Heike (2017): The Hirschfeld Archives. Violence, Death and Modern Queer Culture. Philadelphia/Rom/Tokio: Temple University Press

Dose, Ralf (2005): Magnus Hirschfeld. Deutscher – Jude – Weltbürger. Teetz: Hentrich & Hentrich Verlag

Dose, Ralf. Hrsg. (2013): Magnus Hirschfeld. Testament. Heft II. Berlin: Hentrich & Hentrich Verlag

Haeberle, Erwin (1982): The Jewish Contribution to the Development of Sexology. The Journal of Sex Research, 18, Nr.4 (November 1982), S. 305-323

Hirschfeld, Magnus (1933): Die Weltreise eines Sexualforschers. Brugg: Bozberg-Verlag

Hirschfeld, Magnus (1935): „Phantom Rasse. Ein Hirngespinst als Weltgefahr“, 11.Fortsetzung. Die Wahrheit (Prag), 14, Nr.5

Leng, Kirsten (2018): The Limits of Transnationalism. The Case of Max Marcuse. In: Fuechtner u.a.. Hrsgg.: A Global History of Sexual Science, 1880 – 1960. Oakland (California): University of California Press: 422-443

Mancini, Elena (2010): Magnus Hirschfeld and the Quest for Sexual Freedom. A History of the First International Sexual Freedom Movement. New York: Palgrave Macmillan

Nordau,Max (1909): Meine Selbstbiographie.. In: ders. (1923): Zionistische Schriften. 2.Auflage. Berlin: Jüdischer Verlag: 484-486

Pohl, Sarah (2018): Rechtliche Situation. Legal Situation. In: Pester, Nora. Hrsg.: Queer in Israel. Berlin/Leipzig: Hentrich & Hentrich: 22-27

Wolff, Charlotte (1986): Magnus Hirschfeld. A Portrait of a Pioneer in Sexology. London/Melbourne/New York: Quartet Books

Ziffer, Benny (2009): Ziffer und die Seinen (übersetzt von Lemke, Markus). Hamburg: Männerschwarm Verlag.


Hier gelangen Sie durch einen Klick zu einem Aufsatz, der von einer Umfrage Hirschfelds unter katholischen Pfarrern zu den Problemen von Homosexuellen im Jahr 1899 in Deutschland spricht.


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